Didgeridoo

Ich spiele Didgeridoo seit 1995. Damals lernte ich während meiner Wanderjahre in Heidelberg "Mark", einen jungen weißen Australier kennen, der aus Brisbane stammte und eine Zaubershow vorführte. Auf dem Platz am "Bunsendenkmal" hatten sich einige zig Zuschauer gesammelt und hielten - genau wie ich - den Atem an, was er als nächstes verschwinden lassen würde. Zum Schluss balancierte er einen großen Holzknüppel und machte seltsame Brummgeräusche, die mir vertraut vorkamen.

Es war der Film "Crocodile Dundee", wo ich das seltsame Geräusch schon einmal gehört hatte. Nach der Show sprach ich mit Mark und er zeigte mir, wie man auf dem Didgeridoo spielt. Das war mein erster Kontakt. Von da an war kein Rohr mehr vor mir sicher: egal ob Staubsauger, irgendein Rohr von der Baustelle, Bambusrohre aus dem Dekobereich. Ich musste sofort reinblasen und versuchen, einen Ton herauszubekommen.

Schon bald kaufte ich mir ein echtes Didgeridoo aus Australien aus einem sehr schweren Eukalyptus-Ast und verfeinerte mein Spiel. Es war, wie sich später im Vergleich mit anderen Instrumenten herausstellte, kein besonders gutes Didge. Aber es reichte, um damit 3 Jahre lang durch Europa zu ziehen und etwas Geld zu verdienen. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, lernte ich von anderen Didgeridoospielern, verbesserte meine Technik und wagte dann und wann auch mal kleine Konzerte mit anderen Musikern zusammen.

Sehr eindrucksvoll fand ich es, mit Johann, einem genialen Cellospieler aus Freiburg zusammen zu spielen. Wir spielten in Freiburg auf der "Kajo" (Kaiser-Joseph Straße), auf dem Augustinerplatz und einmal sogar in einer Disco über eine fette Anlage. Wow, war das ein Sound. Cello und Didge passen ja zusammen wir Arsch und Eimer...

Meine Didgeridoo Website mit vierteiligem Video Workshop

Didgeridoo Szene

Ungefähr bis zum Jahr 2010 hielt der Didgeridoo Boom in Deutschland an und als Teil der deutschen Didgeridoo-Szene ließ ich zusammen mit Johannes kaum ein Treffen, Festival oder Konzert aus. Es war eine aufregende und sehr lustige Zeit voller unterhaltsamer Begegnungen. Wir hatten wirklich eine Menge Spaß. Oft auch am Lagerfeuer mit viel Bier, viel Didgeridoo und Fachgesprächen über Spieltechniken, neue Instrumente, Reisen u.s.w.

Wie immer enden diese Zyklen nach einigen Jahren und verschwinden dann ganz oder werden zur Randnotiz. Einige wenige wie "Ansgar Stein" machen einfach weiter wie zum Trotz.

Bemaltes Didgeridoo in "C" mit Sounddemo. Klingt schön warm, leicht zu spielen und nur 50 Ocken...

Hat das Didgeridoo eine Wirkung auf das Bewusstsein?

Da ich während meiner Reisejahre vom Didgeridoo spielen lebte, musste ich mindestens drei Stunden pro Tag spielen. Entsprechend waren alle nötigen Muskeln ständig in Höchstform und auch die Bauchatmung klappte vorzüglich. Und tatsächlich spürte ich immer beim Spielen einen belebenden Effekt, was vermutlich durch die intensive Atmung geschah. Aber ein anderer Effekt machte sich längerfristig bemerkbar:

Irgendwie wurde ich emotional mobiler. Ich bin eigentlich ein sehr umgänglicher Typ, lege Wert auf ein harmonisches Miteinander, Rücksicht, Mitgefühl u.s.w. Aber durch das permanente Didgeridoo spielen erwachte eine andere Seite in mir, die deutlich lauter, lustiger und egozentrischer war. Ich ließ es zunächst einfach geschehen und traute mir viel mehr zu. Ergriff leichter die Initiative und wurde etwas "rumpliger".

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Als mir das selbst nicht mehr so gut gefiel, setzte ich diesen Emotionen Grenzen und hielt sie so weit im Zaum, dass es mir hinterher nicht peinlich sein musste oder andere darunter zu leiden hatten. Irgendwann war ich so weit austariert, dass ich nach Bedarf "losrumpeln" konnte, wenn mir danach war oder es sein ließ, wenn mir nicht mehr danach war.

Man könnte sagen, ich habe meine Schüchternheit durch das Didgeridoo spielen verloren. Woher dieser Effekt kam, kann ich nur mutmaßen. Ich vermute, dass es mit der intensiven Atmung zu tun hat, denn es gibt beim sogenannten "Rebirthing", bei dem man auch sehr intensiv und tief atmet, einen vergleichbaren Effekt, der die Emotionen mobilisiert.

Fazit: Didgeridoo spielen ist grundsätzlich gesundheitsfördernd, alleine schon durch die intensive Atmung. Wer anatomisch dazu in der Lage ist, seine Lippen in Schwingung zu versetzen, der kann Didgeridoo spielen. Ein Instrument ist gar nicht teuer und man kann im Grunde auf jedem Rohr mit ca. 30mm Durchmesser einen Ton herauskriegen. Auch der gesellschaftliche Aspekt ist nicht zu vernachlässigen. Man trifft sich, begrüßt sich nett, quatscht miteinander, tauscht Techniken mit anderen aus, versucht im Rhythmus einer Trommel zu spielen und mit der Zeit fängt es an Spaß zu machen. Und man kann es wunderbar im Freien machen, ein Lagerfeuer anzünden oder einfach eine Grillhütte mieten.

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